Informationen zu Botulinumtoxin

 

Einleitung:

Botulinumtoxin (Botulus lat. = die Wurst ; Toxin = Gift) wird von einem anaeroben Bakterium Clostridium botulinum gebildet. Es ist überall im Erdreich und im Wasser vorhanden. Befindet sich das Bakterium in Lebensmitteln, insbesondere in schlecht oder unzureichend konservierter Dosennahrung, kann es dadurch zu schweren Lebensmittelvergiftungen kommen, wobei wenige Mikrogramm bereits ausreichend, um schwerste Vergiftungserscheinungen bis hin zum Tod hervorzurufen (Botulismus).

In verdünnter Form ist Botulinumtoxin ein hochwirksames Medikament zur Behandlung von neurologisch bedingten Bewegungsstörungen (z.B. Dystonie, Spastik u.a.), des weiteren wird dieses Medikament u.a. auch bei der Achalasie verwendet. Die Dosierung, mit der behandelt wird, ist nur ein Bruchteil der Menge, die dem Menschen gefährlich werden könnte.

Wirkungsweise:

Informations- oder Reizweiterleitung in einem Nerven geschieht elektrisch. An den Nervenendigungen (sog. Synapse) werden die elektrische in chemische Impulse (Überträgerstoffe) umgewandelt, um auf einen anderen Nerven oder auch Muskel weitergeleitet werden zu können. Die Übertragung erfolgt mit dem Botenstoff Acetylcholin, welcher in kleinen Bläschen (sog. Vesikel) in der Nervenendigung gelagert ist. Um ausgeschüttet werden zu können, müssen die Vesikel mit der Membran der Nervenendigung verschmelzen. Dazu sind Eiweiße (Proteine) notwendig.

Das Botulinumtoxin wird über ganz bestimmte Rezeptoren in die Nervenendigung aufgenommen. In der Nervenendigung spaltet es wiederum spezifisch genau die Proteine, welche für die Ausschüttung der Vesikel (Exocytosevorgang) verantwortlich sind, indem spezifische Stellen zerschnitten werden. Somit wird eine Reizweiterleitung von der Nervenendigung zum nächsten Nerv oder Muskel unterbrochen.

Wirkprinzip bei der Achalasie:

Der Schließmuskel zwischen Speiseröhre und Magen wird durch zwei Nervengruppen in der Muskulatur der Speiseröhre gesteuert. Eine Nervengruppe ist für die Öffnung, eine für den Verschluß des Schließmuskels verantwortlich, d.h. es besteht ein Wechselspiel zweier gegensätzlich arbeitender Nervengruppen. Fällt, wie bei der Achalasie, die "öffnende" Nervengruppe aus, gewinnt der Gegenspieler an Einfluß und die Relaxierung des Schließmuskels (Öffnung) unterbleibt. Im Falle der Achalasie wird Botox eingesetzt um die noch funktionierende Nervengruppe, die für den verschluß des Ventils verantwortlich ist, auszuschalten.

Bild: BTX-Injektion in den Schließmuskel

Einsetzen der Wirkung/Wirkdauer:

Die Wirkung des Toxins setzt nach unterschiedlicher Zeit ein. Teilweise kann es 5 Tage Dauern, bis das Botulinumtoxin wirkt. Dies liegt darin begründet, daß das Toxin nach der Aufnahme in die Nervenendigung umgewandelt wird.

Die Wirkdauer beträgt durchschnittlich drei bis vier Monate. In dieser Zeit werden die vom Botulinumtoxin gespaltenen Proteine wieder neu gebildet und das Botulinumtoxin abgebaut.

Nebenwirkungen:

Bei der Behandlung mit Botulinumtoxin kann es zu einer größeren Ausbreitung des Toxins um den Injektionsort kommen. Somit können auch Synapsen blockiert werden, welche weiter entfernt liegen. Jedoch sind alle Nebenwirkungen, gleich wie die Wirkung vollständig reversibel.

Im Falle der Achalasie kann es zu entzündlichen Reaktionen in der Muskulatur kommen, die, für sich genommen, zunächst kein Problem darstellen, die jedoch bei einer späteren operativen Muskelspaltung zu Problemen bei der Präparation führen können.